← Alle Artikel

Wasserstress und der CWSI-Index: Leitfaden für die Präzisionsbewässerung

Wasserstress und der CWSI-Index: Leitfaden für die Präzisionsbewässerung

Wasserstress und der CWSI-Index: Leitfaden für die Präzisionsbewässerung

Einführung

Wasserstress bei Kulturpflanzen ist zu einem der größten Risiken für die italienische Landwirtschaft geworden: die Austrocknung der Flüsse, Hitzewellen und niederschlagsarme Winter der letzten Jahre haben die Bewässerung von einer ergänzenden Maßnahme zu einem strategischen Hebel für Ertrag und Qualität gemacht. Nach Daten von FAO und ISPRA betrifft Wasserstress immer größere Teile des italienischen und europäischen Gebiets. Wasserstress objektiv zu messen, bevor er zu sichtbarem Schaden wird, ist heute dank des CWSI-Index möglich, der aus thermischen Bildern berechnet wird, die per Drohne erfasst werden. Dieser Leitfaden erklärt, wie er funktioniert, wie er interpretiert wird, wann geflogen werden sollte und wie er mit Bodensensoren und Wetterstationen kombiniert werden kann, um eine wirklich wirksame Präzisionsbewässerung aufzubauen.

Wasserstress bei Kulturpflanzen: Ursachen, Physiologie und Auswirkungen

Wasserstress bei Kulturpflanzen ist der physiologische Zustand, in dem die Pflanze den von der Atmosphäre auferlegten Transpirationsbedarf nicht mit dem im Boden verfügbaren Wasser decken kann. Wenn das Sättigungsdefizit (VPD) zunimmt und das Bodenwasser knapp wird, schließen sich die Spaltöffnungen, die Photosynthese verlangsamt sich und die Blatttemperatur steigt: genau dieser Temperaturanstieg, der aus der Ferne erfassbar ist, bildet die physikalische Grundlage des CWSI.

Die Ursachen für Wasserstress sind vielfältig: geringere Winterniederschläge, immer häufigere sommerliche Hitzewellen, Böden mit geringer Feldkapazität, nicht zonierte Bewässerungssysteme. Die Auswirkungen reichen von Ertragsminderung über den Verlust der Fruchtgröße, von der Veränderung des Zucker-Säure-Verhältnisses bei Trauben bis zum Blütenabwurf in Olivenhainen und dem Risiko dauerhaften Stresses bei jungen Baumkulturen.

20-50 %: Geschätzte potenzielle Wassereinsparung für Betriebe, die zonierte Präzisionsbewässerungssysteme im Vergleich zu traditionellen einheitlichen Bewässerungsregimen einsetzen, auf Basis dokumentierter Erfahrungen in der italienischen Wein- und Obst-/Gemüsebranche (Quelle: Auswertung von FAO-Aquastat-Daten und ISPRA-Berichten zum Zustand der Gewässer).

Wasserstress im Weinbau: positiv oder negativ?

Die Weinrebe ist eine der wenigen Kulturen, bei der ein gewisses Maß an Wasserstress erwünscht ist. Ein moderates kontrolliertes Wasserdefizit zwischen Reifebeginn (Véraison) und Lese fördert die Konzentration von Zucker, Polyphenolen und Anthocyanen, begrenzt das vegetative Wachstum und verbessert die potenzielle Weinqualität, insbesondere bei strukturierten Rotweinen und g.U.-Weinen mit starker Herkunftsidentität.

Der Gleichgewichtspunkt ist jedoch heikel: Jenseits einer bestimmten Schwelle wird Wasserstress zum Schaden. Anhaltender Stomataschluss blockiert die Photosynthese, verringert die Reifung und birgt das Risiko von Nachwirkungen in der Folgesaison. Eine objektive Messung des Stresses mit CWSI oder Blattwasserpotenzial ermöglicht es dem Winzer, im „qualitativen“ Fenster zu bleiben, ohne die kritische Schwelle zu überschreiten.

Wasserstress im Oliven-, Obst- und Gemüseanbau

Im Olivenanbau hingegen muss Wasserstress in empfindlichen Phasen wie Blüte, Fruchtansatz und Fruchtwachstum minimiert werden: Ein Defizit in diesen phänologischen Stadien führt zu Fruchtfall, geringerem Ölertrag und kleineren Früchten. Im Obstbau (Steinobst, Kernobst, Zitrusfrüchte) und im Gemüsebau ist der Zusammenhang zwischen Wasserverfügbarkeit und Fruchtgröße/-qualität noch direkter, und CWSI-Karten steuern die zonale Bewässerungsplanung.

Wie Wasserstress gemessen wird: direkte und indirekte Methoden

Wasserstress zu messen bedeutet, die Bilanz zwischen dem durch Transpiration verlorenen Wasser und dem der Pflanze zur Verfügung stehenden Wasser zu quantifizieren. Es gibt direkte Methoden, die auf Labor- oder Feldmessungen an Pflanze und Boden beruhen, und indirekte Methoden, die auf thermischer und multispektraler Fernerkundung basieren. Die beiden Ansätze ergänzen sich: Die einen liefern die Referenz der Bodenwahrheit, die anderen die räumliche Abdeckung und Häufigkeit.

Direkte Methoden: Blattwasserpotenzial, Tensiometer, TDR-Sonden

Das Blattwasserpotenzial, gemessen mit der Scholander-Druckkammer, gilt als der wissenschaftliche Goldstandard zur Quantifizierung des Wasserzustands der Pflanze: Es wird in MPa (negative Werte) ausgedrückt und hat bekannte Schwellenwerte je nach Kultur und phänologischem Stadium. Es ist präzise, erfordert aber erfahrene Bediener, ist punktuell und auf großen Flächen wenig skalierbar.

Tensiometer sowie TDR-Sonden (Time Domain Reflectometry) oder kapazitive Sonden messen hingegen die Wasserverfügbarkeit des Bodens in unterschiedlichen Tiefen. Sie ermöglichen eine kontinuierliche Fernüberwachung, stellen aber nur einen einzelnen Punkt des Feldes dar und nicht die tatsächliche physiologische Reaktion der Pflanze. Um die Grenze der räumlichen Repräsentativität zu überwinden, sollte jeder Betrieb mit mindestens einer Sonde pro homogener Zone (nach Bodentyp, Exposition, Sorte) ausgestattet sein.

Indirekte Methoden: thermische und multispektrale Fernerkundung

Fernerkundung schließt die räumliche Lücke. Die landwirtschaftliche Thermografie per Drohne misst die Bestandestemperatur mit langwelligen IR-Sensoren (8-14 µm) und speist, kombiniert mit Wetterdaten, die CWSI-Berechnung. Parallel dazu liefern multispektrale Indizes wie NDRE, OSAVI oder das NIR/SWIR-Reflexionsverhältnis ergänzende Informationen zum vegetativen Zustand und zum möglichen Wassergehalt des Bestands.

Für weiterführende Informationen zu den Erfassungsplattformen lohnt sich ein Blick auf den Überblick über Drohnensensoren für die Landwirtschaft, in dem Vor- und Nachteile multispektraler und thermischer Sensoren in den verschiedenen Jahreszeiten und phänologischen Phasen beschrieben werden.

Drohne fliegt über einen Weinberg zur landwirtschaftlichen Überwachung.

Abb.1: Thermische Erfassung per Drohne im Weinberg: Das optimale Flugfenster liegt zwischen 11:00 und 14:00 Uhr an sonnigen, stabilen Tagen – eine notwendige Voraussetzung für einen zuverlässigen CWSI.

Der CWSI-Index: Definition, Formel und operative Schwellenwerte

Der CWSI-Index (Crop Water Stress Index) ist ein dimensionsloser Index zwischen 0 und 1, der den Wasserstressgrad einer Kultur misst, indem die Bestandestemperatur mit zwei theoretischen Referenzwerten unter denselben atmosphärischen Bedingungen verglichen wird: der Temperatur, die dieselbe Kultur ohne Stress hätte (gut bewässert), und der Temperatur, die sie bei maximalem Stress hätte (Spaltöffnungen vollständig geschlossen).

Die physiologische Grundlage des CWSI ist einfach: Eine gut hydrierte Pflanze transpiriert und hält durch Verdunstungskühlung ihren Bestand kühler als die Luft; bei Wassermangel schließen sich die Spaltöffnungen, die Transpiration nimmt ab und der Bestand erwärmt sich. Der Crop Water Stress Index normalisiert diesen Temperaturunterschied zwischen zwei theoretischen Grenzwerten. In der in der Fachliteratur etablierten Formulierung (empirische Formulierung von Idso und theoretische von Jackson, 1981) wird der Index in normalisierter Form geschrieben als:

CWSI = (dT − dTLL) / (dTUL − dTLL)

wobei dT = Tc − Ta die gemessene Differenz zwischen der Bestandestemperatur (Tc, aus der Wärmebildkamera) und der Lufttemperatur (Ta) in °C ist. Die beiden Referenzwerte sind:

  • dTLL (lower limit, untere Baseline): erwartete Differenz Tc − Ta bei einer gut bewässerten Kultur in voller Transpiration (non-water-stressed baseline). Sie ist in der Regel negativ, da der Bestand kühler ist als die Luft, und hängt vom Sättigungsdefizit (VPD) ab.
  • dTUL (upper limit, obere Baseline): erwartete Differenz bei einer vollständig gestressten, nicht transpirierenden Kultur mit geschlossenen Spaltöffnungen und einem Bestand, der wärmer ist als die Luft; positiver Wert.

Wenn dT mit der unteren Baseline übereinstimmt, beträgt der Index 0 (guter Wasserzustand); wenn er mit der oberen Baseline übereinstimmt, beträgt er 1 (maximaler Stress). Die untere Baseline wird typischerweise als VPD-Gerade in der Form dTLL = a − b · VPD modelliert, wobei die Koeffizienten a und b je nach Art, Sorte und lokalem Klima kalibriert werden müssen. Der VPD (Vapour Pressure Deficit) wird anhand der Wetterstation ermittelt, indem gleichzeitig Lufttemperatur und -feuchtigkeit gemessen werden.

Die typischen operativen Interpretationsschwellen sind:

  • CWSI 0 – 0,2: guter Wasserzustand, gut bewässerte Kultur, kein Eingriff nötig.
  • CWSI 0,2 – 0,4: leichter Stress; im Qualitätsweinbau fällt dies häufig in den Bereich der kontrollierten Defizitbewässerung (RDI), die zwischen Fruchtansatz und Reifebeginn angestrebt wird, um den Wuchs zu begrenzen und die Traubenqualität zu verbessern.
  • CWSI 0,4 – 0,6: mäßiger Stress; Bewässerungseingriff für die meisten Kulturen (Obstanlagen, Tafeloliven) zu prüfen.
  • CWSI 0,6 – 0,8: schwerer Stress, Risiko von Ertrags- und Qualitätseinbußen: eingreifen.
  • CWSI > 0,8: kritischer Stress, physiologischer Schaden im Gange.

Die Schwellenwerte sind indikativ: Sie müssen im Feld je nach Kultur, Phänologie und Produktionsziel kalibriert werden. Die kontrollierte Defizitbewässerung führt bewusst geringere Wassermengen als den potenziellen Bedarf in ausgewählten phänologischen Phasen zu und nutzt die Toleranz der Rebe, um das Schale-Fruchtfleisch-Verhältnis und das Polyphenolprofil der Trauben zu verbessern.

Die FAO-56-Wasserbilanz: vom CWSI zum Wasserbedarf der Kultur

Der CWSI zeigt, ob die Kultur zu einem bestimmten Zeitpunkt unter Stress steht; um abzuschätzen, wie viel Wasser zurückzuführen ist, wird die Wasserbilanz benötigt. Die international anerkannte Referenzmethode ist der im FAO Irrigation and Drainage Paper 56 beschriebene Kulturkoeffizient-Ansatz, der die Kulturverdunstung wie folgt berechnet:

ETc = Kc × ET0

wobei ETc die Kulturverdunstung (mm/Tag) ist, also das vom System Boden-Pflanze tatsächlich verlorene Wasser; ET0 die Referenzverdunstung (mm/Tag), berechnet mit der FAO-56-Penman-Monteith-Gleichung für eine standardisierte Referenzgrasfläche anhand von Nettostrahlung, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Windgeschwindigkeit; Kc der Kulturkoeffizient (dimensionslos), der ET0 je nach Art, phänologischem Stadium und Bestandesarchitektur korrigiert. Die betriebseigene Wetterstation liefert die Eingangsdaten für ET0, während der Kc die Bewässerungssaison nach phänologischen Phasen strukturiert.

Die indikativen Kc-Werte für mediterrane Baumkulturen (FAO-56 und lokale Anpassungen, stets je nach Anbaugebiet und Erziehungssystem zu kalibrieren) sind:

  • Keltertraube (Spaliersystem): Austrieb Kc ≈ 0,30-0,45; volle Vegetation/Blüte Kc ≈ 0,70-0,80; Reifebeginn-Reifung Kc ≈ 0,45-0,60.
  • Olive: vegetatives Wiedereinsetzen Kc ≈ 0,55-0,65; Blüte-Fruchtansatz bis ≈ 0,65-0,70; Fruchtwachstum/Reifung Kc ≈ 0,50-0,65, reduziert im Trockenanbau.

Die Verknüpfung zwischen theoretischer Bilanz (ETc) und physiologischem Datum (CWSI) ist der Kern der Methode: Zeigt der CWSI Stress an, während die Bilanz ausgeglichen ist, ist dies ein Zeichen dafür, dass der verwendete Kc aktualisiert werden muss oder dass die Anlage das Wasser ungleichmäßig verteilt.

Wann mit der Wärmebilddrohne geflogen werden sollte

Die Qualität des CWSI hängt entscheidend von den Erfassungsbedingungen der thermischen Daten ab. Das optimale Fenster liegt zwischen 11:00 und 14:00 Uhr, an sonnigen, stabilen und windarmen Tagen, idealerweise mit klarem Himmel für mindestens 30-60 Minuten vor dem Flug. Unter diesen Bedingungen erreicht der Unterschied zwischen gut bewässertem und gestresstem Bestand den maximalen thermischen Kontrast, und die CWSI-Berechnung ist zuverlässig.

Zu vermeiden sind hingegen Flüge an bewölkten Tagen oder bei wechselnder Bewölkung (der Bestand kühlt ungleichmäßig ab), bei starkem Wind (Turbulenzen bei den Bestandestemperaturen) oder in den Morgen-/Abendstunden (zu geringe Temperaturunterschiede). Auch kürzlich erfolgter Regen oder Bewässerung verfälscht die Daten für mehrere Stunden.

Das operative Protokoll sieht vor, gleichzeitig mit dem Flug die Lufttemperatur und den VPD mit der lokalen Wetterstation zu messen: Ohne diese Parameter lassen sich die Baselines dTLL und dTUL nicht korrekt festlegen, und der CWSI bleibt qualitativ ablesbar, ist aber quantitativ wenig verlässlich. Die Standardisierung der Erfassungsbedingungen (Sonnenmittag, klarer Himmel, konstante Einstrahlung, schwacher Wind) macht die Wasserstresskarten desselben Betriebs im Zeitverlauf vergleichbar.

11:00-14:00 Uhr: Empfohlenes Zeitfenster für thermische Flüge zur CWSI-Berechnung unter mediterranen Bedingungen: maximaler thermischer Kontrast zwischen gut bewässertem und gestresstem Bestand, klarer Himmel und hoher VPD.

Von der Wärmebildkarte zum Bewässerungsplan

Eine CWSI-Karte hat nur Wert, wenn sie zu einem Bewässerungsplan wird. Der Standard-Arbeitsablauf umfasst fünf Schritte: Flugplanung, thermische und RGB-Referenzerfassung, Verarbeitung des Mosaiks und CWSI-Berechnung, Zonierung in homogene Klassen, Umsetzung in einen Bewässerungsplan oder eine Applikationskarte für zonierte Mikrobewässerungsanlagen. Es ist ein Prozess, der Agronomie, Computer Vision und Bewässerungstechnik miteinander verbindet.

Zonierung und Interventionsklassen

Die Zonierung teilt die CWSI-Karte in 2-5 homogene Zonen je nach Stressniveau ein. Jede Zone erhält eine konsistente operative Empfehlung: kein Eingriff, wo der CWSI niedrig ist, Standardbewässerung im mittleren Bereich, verstärkte oder vorgezogene Bewässerung, wo der CWSI hoch ist. Auf vielen Parzellen zeigt die Karte auch bodenkundliche Unterschiede oder Unterschiede in der Bodentiefe, die die künftige Neugestaltung der Bewässerungsanlage steuern.

Kompatibilität mit zonierten Mikrobewässerungsanlagen

Präzisionsbewässerung wird durch Anlagen umgesetzt, die mit den räumlichen Daten kompatibel sind. Sektorierte Tropfbewässerung, regulierbare Beregnungsleitungen und Schläuche mit variabler Durchflussrate sind die ausgereiftesten Technologien zur Umsetzung eines zonalen Bewässerungsplans. Automatisierungssysteme, die mit Wetterstationen und DSS verbunden sind, schließen den Kreislauf, indem sie Mengen und Turnusse je nach der aktuellsten CWSI-Karte anpassen.

Anwendungsfälle: Weinberg, Olivenhain, Obstanlage, Gemüsebau

Die operativen Anwendungen des CWSI sind vielfältig. In Weinbergen mit DOC/DOCG-Bezeichnung steuert er das Management des kontrollierten Defizits. In Olivenhainen mit hoher Anbaudichte identifiziert er die Zonen, in denen jüngere Pflanzen oder solche auf leichten Böden zuerst leiden. In Obstanlagen mit Stein- und Kernobst hilft er, die Fruchtgröße in der Wachstumsphase zu sichern. In Gemüsekulturen und Industriekulturen (Mais, Verarbeitungstomaten) unterstützt er saisonale Bewässerungsentscheidungen.

Die thermischen und multispektralen Erhebungen des Dienstes iDrone umfassen die CWSI-Berechnung als Teil integrierter agronomischer Analysepakete für Wertschöpfungsketten mit hohem Mehrwert. Reale Beispiele werden in den Agrobit-Fallstudien zu Karten und Modellen zur Unterstützung von Winzern und zu Karten und Modellen zur Unterstützung von Olivenbauern beschrieben.

Integration mit Bodensensoren und Wetterstationen

Der CWSI per Drohne bildet den Stress zu einem bestimmten Zeitpunkt ab; um die Bewässerung über die Zeit zu planen, ist die Kontinuität der Felddaten erforderlich. Die erfolgreiche Kombination ist die Triade Drohne + Bodensonden + Wetterstation, gespeist von einem DSS, das die drei Quellen abgleicht und Mengen und Turnusse vorschlägt.

Bodenfeuchtesonden

Mehrstufige kapazitive Sonden oder TDR-Sonden messen die Feuchtigkeit in unterschiedlichen Tiefen (typischerweise 20, 40, 60 cm) und zeigen in Echtzeit, wie tief das Bewässerungswasser „sinkt“. Sie sind die perfekte Ergänzung zum CWSI: Die Drohnenkarte zeigt, wo Stress herrscht, die Sonden zeigen, ob der Boden tatsächlich im Defizit ist oder ob das Wurzelsystem das verfügbare Wasser nicht aufnehmen kann.

Physische und virtuelle Wetterstationen

Die Wetterstation liefert die Parameter (Temperatur, Feuchtigkeit, Strahlung, Niederschlag, Wind), die zur Schätzung der Referenzverdunstung (ETo) und des VPD erforderlich sind. Hochauflösende virtuelle Wetterstationen integrieren numerische Modelle und Satellitendaten, wenn keine physische Station auf Betriebsebene verfügbar ist. Die potenzielle Verdunstung ist das Rückgrat jedes Modells zur Wasserbilanz von Kulturen.

DSS und Wasserbilanzmodelle

Ein Bewässerungs-DSS aggregiert die drei Datenquellen und berechnet den verbleibenden Wasserbedarf der Kultur. Das typische Modell basiert auf der FAO-56-Gleichung (ETc = ETo × Kc), korrigiert mit den Echtdaten der Sonden und eingeschränkt durch den CWSI: Zeigt der CWSI „Stress im Gange“ an, obwohl die theoretische Bilanz ausgeglichen ist, ist dies ein Zeichen dafür, dass das Modell mit einem neuen Kc aktualisiert werden muss oder dass das Bewässerungssystem ungleichmäßig verteilt. Die App iAgro integriert hyperlokale Wettervorhersagen, Satellitenindizes (NDMI, ein weiterer Spektralindex zur Überwachung von Wasserstress) und Kulturmodelle, um diese Entscheidungen auf Betriebsebene zu unterstützen.

Praxisfall: kontrolliertes Wasserdefizit im Weinberg

Ein toskanischer Weinbaubetrieb mit 25 ha Sangiovese g.U. setzt seit mehreren Saisons ein auf CWSI basierendes Protokoll ein. Die operative Logik ist folgende: Zwei saisonale thermische Erhebungen (eine nach dem Fruchtansatz, eine nach dem Reifebeginn) erzeugen zwei Stresskarten, anhand derer die Bewässerungssteuerung kalibriert wird. Das Ziel ist nicht, „den Stress zu eliminieren“, sondern ihn innerhalb eines qualitativen Zielfensters (CWSI 0,2-0,4) zwischen Reifebeginn und Ernte zu halten, wobei die empfindlichsten Bereiche (sandige Böden, wärmere Lagen) stets geschützt werden.

Die Karten zeigen erhebliche Unterschiede zwischen den Zonen der Parzelle: Flächen auf tiefgründigen Böden mit niedrigem CWSI bleiben im Regime „keine Bewässerung“, Flächen auf leichten Böden mit weniger entwickeltem Wurzelsystem erhalten gezielte Eingriffe. Mehrere Analysen des italienischen Agrarsektors zeigen, dass die Kombination aus thermischer Fernerkundung, Feldsonden und DSS den Gesamtwasserverbrauch des Weinbergs bei gleichbleibender potenzieller Qualität senken kann; im Premium-Weinbau geht es nicht nur darum, Wasser zu sparen, sondern es besser zu verteilen.

Sensoren und Drohnen für intelligentes Weinbau-Monitoring.

Abb.2: Von der CWSI-Karte zum Bewässerungsplan: Winzer und Agronom entscheiden vor Ort, wo die Tropfbewässerungsturnusse je nach gestressten Zonen verstärkt werden, während das qualitative Defizit in den übrigen Zonen erhalten bleibt.

Konformität mit Öko-Regelungen und Förderprogrammen

Die Einführung von Präzisionsbewässerungspraktiken steht im Einklang mit den Zielen der GAP 2023-2027 (Öko-Regelungen zur nachhaltigen Ressourcennutzung), dem europäischen Green Deal und der Farm-to-Fork-Strategie zur Reduzierung von Betriebsmitteln. Der PNRR Agri 4.0 und regionale Förderprogramme (ELER/CSR, EFRE) finanzieren Sensorik, Drohnen, DSS-Software und Schulungen und machen ein CWSI-Protokoll auch für kleine und mittlere Betriebe zugänglich. Weiterführende Informationen zu Förderungen und Finanzierungen für die digitale Landwirtschaft finden sich im Agrobit-Blog.

Häufig gestellte Fragen zu Wasserstress und CWSI

Was ist der CWSI-Index?

Der CWSI (Crop Water Stress Index) ist ein dimensionsloser Index zwischen 0 (kein Stress) und 1 (maximaler Stress), der den Wasserstress einer Kultur misst, indem die Bestandestemperatur mit der Lufttemperatur und mit theoretischen Referenzwerten für eine gut bewässerte und eine vollständig gestresste Kultur unter denselben atmosphärischen Bedingungen verglichen wird.

Wie wird der Wasserstress einer Weinrebe erfasst?

Er wird mit drei sich ergänzenden Ansätzen erfasst: direkte Messungen (Blattwasserpotenzial mit Scholander-Druckkammer, Tensiometer oder Bodenfeuchtesonden), thermische Fernerkundung (CWSI-Karten per Drohne) und multispektrale Fernerkundung (NDRE, OSAVI). Die Integration von räumlichen Daten (Drohne) und kontinuierlichen Daten (Sonden) ist das robusteste operative Modell.

Kann man Wasserstress vom Satelliten aus sehen?

Ja, teilweise. Der Satellit Sentinel-3 und andere thermische Sensoren liefern Oberflächentemperaturkarten, jedoch mit einer Auflösung von mehreren hundert Metern, die für die Reihenebene ungeeignet ist. Der Satellit Sentinel-2 liefert im SWIR-Band und mit Indizes wie NDWI indirekte Hinweise. Für die Berechnung eines CWSI auf Reihenebene bleibt die Wärmebilddrohne das Referenzinstrument.

Wann ist der beste Zeitpunkt für einen Wärmebildflug?

Das optimale Fenster liegt zwischen 11:00 und 14:00 Uhr Sonnenzeit, an sonnigen, stabilen Tagen mit klarem Himmel für mindestens 30-60 Minuten vor dem Flug. Zu vermeiden sind wechselhafte Himmel, starker Wind, extreme Tageszeiten (Morgen- und Abenddämmerung) sowie Flüge kurz nach Regen oder Bewässerung.

Ist kontrollierter Wasserstress gut für den Wein?

Ein moderates Wasserdefizit zwischen Reifebeginn und Lese kann die potenzielle Qualität strukturierter Rotweine verbessern: Es erhöht die Konzentration von Zucker, Polyphenolen und Anthocyanen, begrenzt das vegetative Wachstum und verbessert das sensorische Profil. Das qualitative Fenster ist jedoch schmal: Jenseits der Schwelle wird es zum Schaden. Die Messung mit CWSI ermöglicht es, im richtigen Fenster zu bleiben.

Wie viel spart man mit Präzisionsbewässerung?

Dokumentierte Erfahrungen in italienischen Wertschöpfungsketten deuten auf Wassereinsparungen in der Größenordnung von 20-50 % gegenüber traditionellen einheitlichen Bewässerungsregimen hin, je nach Kultur, Bodenkunde und ursprünglicher Bewässerungsanlage. Die Einsparung geht mit einer besseren Wasserverteilung und einer besseren qualitativen Kontrolle der Produktion einher.

Fazit

Agrobit entwickelt integrierte CWSI-Protokolle für Weinberge, Olivenhaine, Obstanlagen und Ackerkulturen: thermische Drohnenerhebungen mit iDrone, Integration mit Feldsonden und Wetterstationen, agronomische Unterstützung bei der Auswertung der Karten und der Bewässerungsplanung. Sprechen Sie mit einem unserer Techniker, um den passenden Ablauf für Ihre Wertschöpfungskette zu entwickeln.

▶ iDrone-Dienst entdecken ▶ Feldsensoren und Wetterstationen ansehen

Für Betriebe, die einen durchgängigen operativen Weg suchen, steht die Seite Werkzeuge für den landwirtschaftlichen Betrieb zur Verfügung, ebenso wie weiterführende Informationen zur Nachhaltigkeit der Agrobit-Technologien.

← Zurück zum Blog Sprechen Sie mit uns